Backsteine

Architektur beginnt wenn zwei Backsteine sorgfältig zusammengesetzt werden (Mies van der Rohe)

Schon die alten Römer errichteten Ziegelbauten. Nach Verfall des weströmischen Reiches geriet dies aber in Vergessenheit und erst bei den Karolingern erinnerte man sich wieder an dieses Baumaterial. Ein bekanntes Beispiel ist übrigens die Basilika in Michelstadt im Odenwald. Seltsamerweise ging dann diese Bauweise auch wieder für einige Zeit verloren. Man setzte Feldsteine und noch vorgefundene Ziegelsteine zusammen ein.

Erst im 12. Jhd. kamen Backsteine wieder in Mode.

Man verwandt Backsteine, weil Baumaterial Mangelware war und erfand eine neue Bauform – die Backsteingotik. Die Herstellung der einzelnen Backsteine war allerdings sehr zeitaufwändig und rund drei Jahre betrug dann noch die Trockenzeit, bevor die Masse aus ihrer Tonform in den Brennofen kam. Jeder Stein ein Stück Handarbeit, daran denkt kaum jemand bei seinen Besichtigungen.

Backsteingotik

Man ging im Mittelalter nicht unbedingt nur zum Beten in die Kirchen. Die heute noch imposanten Bauwerke hatten noch eine weit größere Nutzungsvielfalt. Das waren für die Bürger irgendwie auch Vorläufer unserer Dorfgemeinschaftshäuser oder Kulturpaläste. Da konnte man riesige Gemälde betrachten, Gold und Edelsteine bewundern, aufregenden Geschichten lauschen, Instrumente und Sänger hören und sogar feierliche Düfte einatmen. Wie dies ja auch in heutiger Zeit bei einem Besuch der katholischen Kirchen möglich ist.

Eine mittelalterliche Kirche musste groß sein, da findet man bis zu 100 Meter lange und 30 Meter hohe Räume. Die sollten natürlich auch beeindrucken, einschüchtern oder sogar verwirren. Das gehörte zum Marketing des damaligen Klerus. Erkannt hatte das schon 1125 der Prediger Bernhard von Clairvaux: „Unbedingt zu meiden sind unbescheidene Längen des Kirchenbaus, weil sie gottlos sind, und die leeren Höhlen bis zu den Decken, weil sie Gedanken verwirren..“ – Freunde machte er sich bei seinen Glaubensgenossen damit nicht.

Es wird in der damaligen Zeit kaum einen Baumeister gegeben haben, der sich ohne jegliches Vorbild etwas ausgedacht hat. Da orientierte man sich doch ganz einfach an den prächtigsten, teuersten und modernsten bekannten Bauwerken .Weil es in der Nähe noch nichts dergleichen gab, suchte man seine Vorbilder eben im über 1.000 km entfernten Frankreich. Da gab es seit 1130 die französische Kathedralgotik.

Dank der Hanse, die mit ihrem weltumspannenden Handel den Küstenorten und ihren angeschlossenen Städten zu enormem Wohlstand verhalf, konnten nun auch Kirchen und Klöster ganz unverhohlen ihren Reichtum präsentieren. Man zeigte, was man hatte.

War aber m.E. immer noch sozialverträglicher, als das heutige Anbringen islamischer Sprüche auf den Portalen von Gotteshäusern ( Sankt-Paulus-Dom in Münster ). Oder gar die „Verzierungen“ der ehrwürdigen Gebäude mit Regenbogen-Fummel..

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