waffenKUNSTHALLE

Kunst und Waffen – Das militärische Ritual der Raketenverzierung

Angeblich war auf dem Rumpf der ersten Rakete eine auf der Mondsichel sitzende Frau abgebildet. Ob das so stimmt, wer weiss, zum Bemalen von Prototypen hat man eigentlich keine Zeit (ich denke da an diverse, eigene Rennwagen..) Auf jeden Fall: Eine perverse Verniedlichung einer Bombe. Der Chefgrafiker in Peenemünde, Gerd de Beek, soll mindestens 34 der Raketen, dank seiner Phantasie, mit Glücks- oder erotischen Motiven in eine zweifelhaft höchst persönliche Beziehung der Erbauer und Bediener zur mörderischen Technik gebracht haben.

Die Motive und Ästhetik der Bilder verraten eine Prägung der Ingenieure und Offiziere zu einer militaristischen nationalistischen Kultur – so einen Scheiss verbreitet das Museum auf seinem Internetauftritt..

Auch die Fotos des Kanadiers Clarence Simonsen, mit seinen eigenen und sehr effekthaschenden Interpretationen, gehören zu den Exponaten der momentan laufenden Ausstellung.

Es wird hier ein vielfach beachteter, aber noch nie ernsthaft erforschter, und sogar kulturhistorischer Aspekt der Peenemünder Raketengeschichte erstmals fundiert vorgestellt. Geht´s noch ??

Champagner und Kaviarschnittchen für uns Katastophentouristen hätten da gerade noch gefehlt..

Als Alternative gibt es dann aber, für geladene Gäste, völkerverbindende Klänge in der ehemaligen Turbinenhalle, der prächtigen location. Höhe- und Anziehungspunkt für international wichtige Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Da ist es durchaus möglch, dass sich noch einige der Geladenen aus diesen Kreisen an die Erzählungen ihrer Erblasser erinnern – wenn sie den erforderlichen Anstand haben.

Weder die hier versklavten Zwangsarbeiter, noch die vielen, von den Explosionen zerfetzen, Londoner Zivilisten hatten die Möglichkeit solch feinen Klängen zu lauschen. Deren Todesmelodie klang anders..

Erstaunlicherweise ist in dem teilrestaurierten Gebäude deutlich mehr Platz für die Präsentation erhaltener Haustechnik, als für eine Dokumentation des Unrechts. Die gibt es (sozusagen als Alibi) dann in oberen, meist von den Besuchern gar nicht erst gefundenen, Räumlichkeiten. Ich habe mir erspart die paar Sträfligsklamotten und drei vier, angeblich hinterlassene, Koffer zu fotografieren.

Der Opfer zu gedenken gibt es fatalerweise auch anderswo, erschreckend viele, Möglichkeiten.

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2 Gedanken zu “waffenKUNSTHALLE

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