Denkmal (nach) Landschaft

Modell vor Ort

Keine Tausend, sondern nur 8 Jahre hatte die Heeres Vernichtungs (sorry, wie kam ich denn jetzt so weit ab?, Versuchs– natürlich) Anstalt Bestand. Und jeder Tag war einer zuviel. Für die, die hier unter unmenschlichen Bedingungen Zwangsarbeit leisten mußten und von denen viel zu viele letztendlich noch nicht einmal ihr Leben behalten durften. Aber die im Dunkeln sieht man nicht, schrieb schon Brecht. Sonnen konnten sich die Ingenieure, die hier die berühmt, berüchtigte V 2 Rakete entwickelten. Es war der 3. Oktober 1942, als man die weltweit erste Rakete in den Weltraum schickte.

Der Interessierte findet tonnenweise Literatur und Filmmaterial über den Mythos V2 und seinen Schöpfer. Über dessen Nazi Vergangenheit sahen die Amerikaner großzügig hinweg und als gefragter Raketenbauer unterstützte er dann erfolgreich  die NASA Projekte bis hin zur Mondlandung.

Die Peenemünder Denkmal Landschaft, ein niedlicher Name für eine Gegend, in der man heute noch das Grauen der damaligen Zeit erahnen kann, hat einen wirklich interessanten Internetauftritt. Dort sind 23 Stationen ausführlich in Wort und Bild beschrieben.  Nur die Hinrichtungsstätten, Arbeitsplätze für Aufseher, die dann oft Richter und Vollstrecker ín einer Person waren, kamen etwas zu kurz.

Vom Dach des Kraftwerks (mit dem Glasaufzug hochbefördert) hat man einen Blick über das ehemalige Versuchsgelände, die Peenemündung und das Kriegsgerät des einstigen Feindes. Das raketenbestückte sowjetische U 461  Boot wurde allerdings erst um 1961 gebaut und 1991 ausgemustert. Es ist gegen Gebühr zu besichtigen und gehört zu den Attraktionen des technischen Freizeitparks. Wie auch die, schon am Eingang vorzufindenden, Fressbuden, Andenkenläden und Kinderkarusells. Da ist um des Touristen Anlockens willen, vielleicht doch so einiges an Würde auf der Strecke geblieben.

Es ist viel Gras gewachsen. Vielleicht etwas zu viel. Ob einst Ing & Architektur Büro Schlempp´s (für Speer und Todt dienstverpflichtet) Gesamt Bauleiter und wohl auch Planer der hier errichteten Unterkunftsgebäude für KZ Häftlinge, aktenkundig belegter, Anforderer von Lieferungen neuen Menschenmaterials, über den gleichen Beton schritt, wer weiß?  Hinreichend bekannt ist, ab 1945 stieg er wieder nach oben. Ganz nach oben. Nicht wahr, Heinrich L. ?? – (verst. 1972) –Leute in meinem Alter kennen noch „Mr. Trevira“, den 2. Bundespräsidenten unserer Republik.. Ob er 1957, (nur 12 Jahre nach Kriegsende und Niedergang des Nazi Regimes) beim Erhalt seines Großen Bundesverdienstkreuzes, vielleicht ein wenig der angeforderten Opfer in  Peenemünde gedacht hat. Eher nicht.

Stele am Zugangsweg zum Museum

„Mit diesen paar Worten möchte ich aufhören, meinen Schluss machen. Es wird,  glaube ich, ganz gut sein, wenn ich einige Stunden ins Bett käme. Guten Morgen, 1967″  – Guten Morgen 23.10.2021 geht auch und ist von mir.

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2 Gedanken zu “Denkmal (nach) Landschaft

  1. Es ist schon komisch, dass das Leiden in/auf dem Gelände erst an hinterster, letzter Stelle kommt.
    Sicher ist die Technik überwältigend, hat sie „uns“ letzlich auf den Mond gebracht – aber den Preis dafür hätte man mehr herausstellen sollen.

    Gefällt 1 Person

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