Anklam

Im Wappen der Stadt an der Peene findet man die Stadtmauer und den Greif der pommerschen Herzöge. Der Strahl könnte Hinweis auf einen Friedensschluss bedeuten. Einen von mehreren. Kriege, Plündereien und Zerstörungen hat die Stadt wahrlich genügend erlebt.

Man hat sich 1990 darauf besonnen, dass einst Anklam auch eine Hansestadt war und dies dann als Namenszusatz eingeführt. 1283, mit Lübischem Recht (also gleich mit Rostock, Lübeck, Wismar und den anderen Hansemitgliedern), wurden hier im Hafen Waren umgeschlagen. Von Getreide, Fisch, Tuch, Leder über Vieh und Bier. So kam die Stadt damals zu Wohlstand und war eine der reichsten Städte in ganz Pommern.

Das erweckte natürlich Neid. Unter Anderen auch die Schweriner, wollten da ganz ungeniert am Wohlstand teilhaben. Als Antwort baute man da eben eine 2,5 km lange Stadtmauer (zunächst 6, dann 8 m hoch) mit 6 Türmen und erst nach blutigen Auseinandersetzungen waren die Schweriner so vernünftig und folgten, der heute noch gültigen Regel: was du nicht besiegen kannst, musst du kaufen. Man kaufte also Häuser und Güter oder besetzte ein paar Pöstchen im Stadtrat. Schon war Ruhe.

Bis dann die Schweden kamen (1648-1720), die teilten sich mit den Preussen das Stadtgebiet. Noch bis 1815 gehörte ein Teil der Einwohner politisch zu Schweden, zahlte aber Steuern im preussischen Anklam. Recht gesprochen wurde wiederum nach schwedischen Gesetz.

Auf dem Hof des einzigen noch erhaltenen Stadttors findet man nicht nur ein aus der Peene gefischtes Kanonenrohr aus alter Zeit, es ist als Hinweis auf gängige Art damaliger Wahrheitsfindung auch so eine Art Lügendetektor aufgestellt. Da kann es auch gleich noch schön gruseln, wenn man weiss, dass hier an dieser Stelle mit dem 118 cm langen „Anklamer Schwert“ auch Hinrichtungen stattfanden. Die letzte im Jahr 1853 . Vielleicht durften die Delinquenten sich vor ihrer letzen Reise auch noch mittels der Inschrift auf dem Schwert fortbilden: Thue Recht meide das Böse dann darfst nie zu denken das ich mein Schwert nach deinem Halse lenke.

Nicht herausgefunden habe ich, was die Bremer Stadtmusikanten in Anklam zu suchen hatten. Vielleicht eine übriggebliebene Deko aus einer Theateraufführung..

Es gab mehrere Stadtbrände in vergangener Zeit und die Pest forderte auch ihre Opfer. Die Russen plünderten 1713 die Stadt und wollten sie vollständig zerstören. Ein Duell, mitten auf dem Marktplatz, zwischen dem russischen Generalmajor und dem Dänen Carlsson, verhinderte das. Fast völlig zerstört wurde die Stadt dann aber am 29. April 1945 – durch deutsche Bombardierung (als die Rote Armee schon in der Stadt war).

Anklam war aufgrund der dort beheimateten Arado-Flugzeugwerke, vorher schon ein besonderes Angriffsziel der Allierten und deren planmässigen Zerstörungen sorgten für die Vernichtung der meisten alten Backsteinhäuser, Barock- und Renaissancebauten und Fachwerkhäuser – 800 Menschen verloren ihr Leben – zunächt, rd. 600 brachten sich dann noch beim Einmarsch der Russen selbst um..

Ironie des Schicksals ist, dass rd. 100 Jahre vorher in Anklam die Grundlage für das Fliegen geschaffen wurde. Kai Wilhelm Otto Lilienthal wurde am 23. Mai 1848 hier geboren und besuchte das Gymnasium der Stadt. Studien des Vogelflugs, erste Experimente und Flugversuche fielen in diese Zeit. Lilienthal gilt als der erste Mensch, der wiederholt Gleitflüge mit einem Flugapparat durchführte und damit das Prinzip „schwerer als Luft“ anwandt. Man hat ihm ein Denkmal gesetzt und ein Museum eingerichtet. Ob er erahnt hat, dass die Macht des Verstandes einmal für Terror Bombardements sorgen würde..

Auch wenn kaum noch etwas von der einstigen Pracht der Stadt zu sehen ist, ein Besuch lohnt dennoch. Vom (weiteren) „Tor zur Insel Usedom“ gelangt man in kürzester Zeit zu den bereits beschriebenen Kaiserbädern.

2 Kommentare zu „Anklam

  1. Bestimmt das am Rathausplatz. Aber nach zig km bei Gegenwind hat man eine Pause dort redlich verdient. Irgendwie gibt’s im Norden überall nur Gegenwind, zumindest wenn ich mit dem Rad unterwegs bin..😊🚴

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