Grün – wo man´s mag..

Wismar, die einst bedeutende und reiche Hansestadt, wurde nach dem 30 jährigen Krieg den Schweden zugesprochen. Die richteten sich dann erst einmal so richtig häuslich ein und bauten eine der größten Festungen Europas mit 18 Bastionen und 700 Kanonen.. Auf Verlangen der Dänen wurde diese Anlage dann aber 1717 wieder geschleift. Die fühlten sich da irgendwie bedroht oder so..

Egal wie, heute gibt es nur noch ein paar Spuren aus dieser Zeit zu sehen. Aber nur, wenn man einen kleinen Ausflug in den Wismarer Lindengarten unternimmt. Und da kommt man an dem ehemaligen Wasserturm der Stadt nicht vorbei. In diesem Backsteinturm der ehemaligen Wehranlagen brachten die damaligen Ingenieure (so um 1685 !) einen Wasserspeicher unter. Der hatte ein, mit Pferdekraft betriebenes, Pumpwerk integriert und war über eine hölzerne Pipeline an die Wasserkunst in Wismar angebunden.

Die Stadt ist sehr schlecht gebaut, das Pflaster entsetzlich, die Unreinlichkeit auf den Strassen sehr gross und die Menschen zu zählen, alles trägt das Ansehen der Armut und Volksleere. Es muss überaus traurig sein, dort zu wohnen..

Diesen Spruch liess im Jahr 1796 der Philosoph (gleichzeitig Schriftsteller und Staatsmann – so grandiose Kombinationen gab´s damals schon) Wilhelm v. Humboldt los. Nun ja, die grosse Schnauze der Berliner ist uns ja hinreichend geläufig. Er war übrigens ein Bruder des mir deutlich bekannteren, etwas feingeistigeren, Alexander von Humboldt.

Auch wenn etwas d´ ran war, nach dem Ende der Befreiungskriege und der erfolgten Wiederangliederung der Stadt an Mecklenburg. Da gab´s schon was aufzuräumen.. Das taten die Bürger dann auch und nach einem Spendenaufruf waren 1.200 Thaler zusammengekommen um die Stadt zu verschönern. Da bot sich der alte Schuttplatz um die ehemaligen Festung an – und es entstand eine Grünanlage, die bis heute zu den highlights der Stadt gehört.

In der Anlage konnten damals sogar Familien, in einer eigens dafür eingerichteten Kaffeeküche, Kaffee kochen und picknicken. So ähnlich kenne ich es noch aus den Erzählungen meiner Großmutter vom Frankfurter Wäldchestag (Nationalfeiertag in Frankfurt am Main), da gab es das aber nur an einem einzigen Tag im Jahr.

Die Rolandsbrücke hat nichts mit den Riesen (von Bremen, Magedburg u.a.) zu tun. Ein Wismarer Bäcker mit diesem Namen war sich 1765 seines Lebens überdrüsssig und beendete es hier eigenhändig. Aus welchen Motiven ist unbekannt.

Der Lindengarten liegt nicht weit entfernt vom Wismarer Bahnhof und ist eine, inzwischen unter nationalem Denkmalschutz stehende, Parkanlage mit altem Baumbestand, gepflegten Wegen und vielen Bänken zum Entspannen oder am Mühlenbach, der diese Oase durchfliesst, die Schwäne zu beobachten (wenn sie nicht gerade, wie am Tag meines Besuchs, Ausgang haben..).

Der würde sich wundern, der Berliner Grosskotz, bei einem Wiederbesuch in der geschmähten Stadt: Was ist schon ein Berliner Strassenzug gegen einen ganzen Park!

2 Kommentare zu „Grün – wo man´s mag..

  1. „Neapel sehen und sterben“ hat er wohl gelesen und auf seine Heimatstadt übertragen. In der Erkenntnis, wo’s am Schönsten ist will man ewig bleiben.. 😃

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: