Aschersleben – geschichtsträchtig

Auf unserer großräumigen Umfahrung der Hamburger Autobahn Dauerbaustellen wählten wir, um nach Wiesbaden zu gelangen, einen Streckenverlauf über das schon beschriebene Magdeburg und konnten dann auch an Aschersleben nicht einfach so vorbeifahren. Man hätte sich ruhig noch etwas mehr Zeit nehmen sollen, kann ich da nur sagen.

Die Stadt, im 11. Jhd. ehemaliger Sitz der Askanier, die ihren Namen lateinisiert von Ascharia ableiteten. Hier herrschte einst Albrecht der Bär und im Mittelalter war die Stadt auch Mitglied der Hanse. Irgendwo musste der Wohlstand ja herkommen. Den teilten sich (meist) einträchtig zunächst Kirche und Staat. Was da aber früher ein Passauer Chorbischof (Maldawin um 903) oder die Heiligen Leute vom Kloster Fulda zu suchen hatten ist nicht mehr nachzuvollziehen. Unter dem „Bären“ wurde die Stadt Gerichtssitz und durfte auch eigene Münzen prägen. Dann kamen aber die Welfen und unter dem Löwen Heinrich wurden nicht nur Burg, sondern auch gleich der ganze Ort verwüstet. Das ging über Jahrhunderte munter weiter. Kampf ums Erbe, Oberhoheit oder Besitz – immer das Gleiche. Da half auch die Reformation nichts. Plünderungen und Zerstörungen hatten Bestand. Mit 6.000 Gulden wurden aber die Katholiken eines Tages entschädigt und die Kirche durch evangelische Pastoren besetzt. Geht doch. Später tummelten sich Wallenstein und noch später Napoleons Truppen. Zwischendurch aber auch Zar Peter der Große. Dem, auf seiner Rückreise von Holland, mußte die Stadt für seine Weiterreise (und bestimmt um ihn loszuwerden) über 50 vierspännige Wagen zur Verfügung stellen. Da waren die Franzosen mit der (erfüllten) Forderung von 23.000 Talern und einigen Dutzend Pferden, sowie Kost und Logie noch etwas unbescheidener. Und 1806, nach dem Zusammenbruch Preussens, forderten die Truppen von Maschall Bernadotte über 4.000 Taler Gold – und plünderten trotzdem die Vorstädte. Noch härter (1812), das 2. Westphälische Husarenregiment. Die namen gleich 900 Bürger zur Teilnahme am Feldzug mit. 40 kamen lebend zurück. Dagegen ist die Cholera (um 1850) mit 164 Todesopfern ja fast noch gnädig gewesen. Erst nach dem Französischen Krieg 1870/71 kam etwas Ruhe in die Stadt. Die hielt aber auch nicht lange an, ist aber eine andere Geschichte..

Man findet in Aschersleben, gerade in der Altstadt, verschiedene Baustile aus den letzten Jahrhunderten. Da treffen sich Romanik, Gotik (St. Stephan), Renaissance und Barock. Klassizismus und Jugenstil nicht zu vergessen. Der Hennebrunnen auf dem Marktplatz hat eine achteckige Grundfläche und acht Bronzefiguren tragen sein Dach. Es ist ein 1906 geschaffenes Werk des Bildhauers Wrba und wurde von Herrn Henne, einem Ratsherrn, gestiftet.

Unübersehbar, die Stadtkirche St. Stephan. Es ist eine (gotische) Hallenkirche aus dem 15. Jhd. – leider am Tag unseres Besuchs geschlossen..

Am Rathausturm findet man eine kleine Tafel mit dem sinnigen Text: Die eiserne Elle am Rathausturm. Gut Gewicht und Mass in Korb und Kann, will für sein Geld ein jeder han. Wer frevelt, der soll büßen in Schelln an Hals und Füßen. Gute Alte Zeit.

Es gibt hier eine der wenigen, zum großen Teil erhaltenen, Stadtbefestigungen, obwohl im 19. Jhd. zahlreiche Tore und Türme aus verkehrspolitischen Gründen abgebrochen wurden (der Fuhrwerksverkehr forderte seinen Platz). Von einst über 50 Türmen gibt es heute noch um die 15 und eine fast 2 km lange Promenade führt entlang der Befestigung. Der Johannisturm im unteren Foto ist der einzige, noch erhaltene Torturm und der Rabenturm mit seinen 21 Schießscharten hat seinen Namen von seiner Nähe zur Hinrichtungsstätte, dem Galgen. Da sahen die dann Deliquenten die schon voller Erwartung kreisenden Raben..

Einer der bedeutesten Aschersleber (getauft am 24.9.1599) war Adam Olearius. Ein Politiker, Gelehrter, Diplomat und Schriftsteller (aber nicht so wie Frau B., die ja Bundeskanzlerin werden will). Seine Schilderungen und Wahrnehmungen sind echt und lesenswert. Er nahm damals schon an diplomatischen Reisen von Russland bis in den Orient teil: So durch gelegenheit einer Holsteinischen Gesandschafft von Gottorff auß an Micheal Fedorowitz, den grossen Zaar in Muscow / und Schach Sefi König in Persien geschehen.. (Schleswig 1663)

Unwissend, bis zu unserem Besuch, hielt ich die, von Bernd Göbel 2010 gefertigte Bronze Skulptur zu Ehren des Universalgelehrten, für Ikarus. So kann man sich täuschen..

4 Kommentare zu „Aschersleben – geschichtsträchtig

  1. „Alles für´n Arsch“, lautet der Titel der bis März 2022 zu sehenden Sonderausstellung im Ascherslebener Toilettenpapier Museum. Eine Pflege der Hochkultur also, in einer Zeit in der angeblich 2,5 Milliarden Menschen weltweit immer nochkeinen Zugang zu ener Spültoilette haben. Da findet sich imNetz aber auch eine schöne Darstellung eines griechischen Nachttopfes im Alten Museum in Berlin. Eine adlige Kurtisane oder Geliebte hockt da über solch einem Topf. Und Berlin hat lange nicht im Entferntesten eine historische Vergangenheit wie Aschersleben.. 😁

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