Herrn Pasturn sin Kauh

Gleich hinter dem Rathaus, durch einen längst nicht mehr so schmalen Durchgang wie bis Ende des 18 Jh., findet man Kultur pur. Als nach einem Stadtbrand im Jahr 1651 der Marktplatz in seiner Größe von nur 60 x 20 m gleich verdoppelt wurde, da ahnte man gar nicht, was sich bei sorgfältigem graben hätte finden können. Aber nur Vielleicht.. Doch, es gibt in unserer Gegend tatsächlich einige Funde aus der römischen Kaiserzeit. (Die abgebildete Münze gehört nicht dazu, die bekam ich irgendwann einmal geschenkt..)

Gefunden wurde allerdings, als älteste Quelle für ein niederdeutsches Spottlied, von einem ehemaligen Frankfurter (Main) Rundfunkdirektor, in einem Fragment des Titus Petronius „Das Gastmahl des Trimalchio“ die Geschichte von einem in einem Testament verteilten Schweins.

Und dieses Schweinetestament lässt sich dann vom Altertum bis in die Neuzeit in der Literatur verfolgen. Und was dem einen sein Schwein, ist dem anderen seine Kuh.

Deshalb: Jau! Sing man tau, sing man tau van Herrn Pasturn sin Kauh

Dieser Rundgesang hat mittlerweile zwischen sechshundert bis Tausend Verse. Er wird gerne bei Trinkgelagen von einem Solo Vorturner angestimmt und irgendeinen Vers kennt eben jeder und macht mit. Alle stimmen mit sing man tau, sing man tau ein und ein neuer Klarer wird gekippt – oder so ähnlich.

Der Stierbrunnen auf dem Schweriner Schlachtermarkt, eine 1979 aufgestellte Schöpfung von Stefan Horota, verrät auf seinem Rundum Fries so manches über die Hintergründe des eigentlich „unbekannter Quelle um 1850“ zugeschriebenen Liedes.

Die Geschichte handelt vom Tod einer Kuh, die einem Pastor gehörte. Zu Ostern war sie noch gesund und munter, aber zu Pfingsten lag sie, plötzlich und unerwartet, tot im Stall. Da blieb nur noch die Notschlachtung.

Als sie dann in Stücke geschnitten, hat das ganze Dorf etwas davon bekommen, von der Kuh des Herrn Pastor.

Jochen Schleif, de Droomsuldaat Droomsuldaat, Droomsuldaat, kreech n´ Pott vull Muulsalaat van Herrn Pasturn sin Kauh

Un de Köster Dünnelang, Dünnelang, Dünnelang, kreech den Steert äs Glockenstrang van Herrn Pasturn sin Kauh

Un de olde Stadtkapell, Stadtkapell, Stadtkapell kreech ´n neiet Trummelfell van Herrn Pasturn sin Kauh

Es geht munter so weiter und stets folgt auf den geistigen Erguss dann auch ein Bestätigungsschnäpsschen. Aber nur wenn man vorher das sing man tau, sing man tau, van Herrn Pasturn sin Kauh brav mitgesungen hat..

Es gibt naturgemäß viele Varianten und Schreibweisen. Eine kindergeeignete Version und einige, heutzutage absolut frauenfeindliche (ähnlich, wie bei dem Doanaulied), aber erfahrungsgemäß auch des Öfteren von Frauen (!) ganz gerne mitgesungen wird (wurde). Üblicherweise ist das Lied zueende, wenn keinem mehr eine neue Strophe einfällt- oder man selbst vorher umfällt..

Jau! sing man tau, sing man tau..

12 Kommentare zu „Herrn Pasturn sin Kauh

  1. Eigentlich schon, aber mit ein paar Tröpfchen geimpft, ist unser Land doppelt schön. Woanders, mit 3 Liter Becks intus, sieht man da vielleicht auch ein paar nette Fleckchen..😊

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  2. Vielleicht für die Leute aus Oldenburg, die kriegen aber dann evtl. zu früh „Brand“, deshalb: „Un de Oldenburger Fuerwehr, Fuerwehr, kreegt en Pott voll Wagenschmeeer, von Herrn Pastor sin Kauh. Sing man tau, sing man tau…

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  3. Danke für die Grüsse und ebenfalls einen schönen Sonn(igen)tag. Bald geht es ja wieder mit dem reisen.. Es gibt, wie auch im Rheinland, immer wieder Neues (oder Altes, an dem man bisher vorbeilief) zu entdecken.😊☀️

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  4. Danke für die schönen Fotos. Ich muss sagen, der Osten gefällt mir immer wieder gut. Da gäbe es noch viele Orte, die ich mir ansehen würde. Leider bin ich nur in Eisenach, Erfurt, Weimar und Leipzig gewesen. Schade!

    Liebe Sonntagsgrüße von Gisela. 🌞

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  5. Schön, wenn’s gefällt.😊 Man findet in meiner neuen Umgebung aber auch stets tolle Motive. Obwohl es die eigentlich überall gibt, wenn man seine eigene Umgebung mit den Augen eines Touris oder gerade Hinzugezogenen betrachtet.☀️

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