LULU

Schloss Ludwigslust ist eigentlich das Ergebnis einer Art Alimenten Zahlung. Im 14. Jhd. überschrieb der Herzog Friedrich Wilhelm I seinem jüngeren Bruder, nicht nur aus brüderlicher Liebe, nämlich gleich das ganze Dorf Klenow um ihm damit als Abfindung seinen standesgemäßen Lebenswandel zu ermöglichen. Denn nur so beugte er einer Teilung deren Erbe vor.

Der war schon clever, der ältere Bruder. Und lebenslustig auch. Nachdem er seine Frau Charlotte von Hessen Kassel (die Tochter des Landgrafen von Hessen-Kassel) geehelicht hatte und damit etwas Mitgift einsteckte, bereicherte er den Adel, mit Hilfe zahlreicher Mätressen, um mindestens 9 (außereheliche) Mitglieder. Ausgerechnet nach Rückkehr von einer Erholungskur in, dem von mir in meiner Wiesbadener Zeit auch gerne besuchten, Schlangenbad, endete sein Leben. Ob die Krankheit Kurschatten hieß, ist leider nicht überliefert..

Christian Ludwig II regierte zwar auch ein bisschen (eingesetzt als regierender Herzog ausgerechnet vom Reichshofrat in Wien), aber eigentlich war er ein Förderer des geistlichen und kulturellen Lebens.

Da war doch dem Guten durch einen dummen Zufall (so hat er es bestimmt der Versicherung gemeldet) bei einem Stadtbrand in Grabow (das ist der Ort, in dem die leckeren N-, sorry Grabower Küsse gebaut werden) sein eigenes Domizil abgebrannt und so wollt er sich zumindest einen Jagdsitz in der für sein Hobby geeigneten, wildreichen Gegend, bauen. So einfach war das nicht. Ähnlich, wie heute in unserem Beamtenstaat, wollten da auch gleich noch andere mitreden. Es waren jedoch eher Familienstreitereien aufgrund eines weiteren (natürlich unehelichen) Ablegers des umtriebigen Familienvaters. Da wurde Baustopp verhängt und sogar Teile des im Entstehen begriffenen Jagdschlosses wieder abgetragen. Als sich dann einer der Streithähne jedoch während des Nordischen Kriegs (1728) auch noch mit dem Kaiser anlegte wurde er vom Reichshofrat (Wien) entlassen und da konnte der Bau unter dem Schutz kaiserlichen Soldaten, weiter gehen.

So entstand dann, als bescheidene Unterkunft, das Kleinod Ludwigs Lust.

Auch wenn die kleinen Flüsse Stör und Rögnitz mindestens 30 km entfernt sind, „Wasser ist Leben“ – weiß man doch. Und zum Lustigen Leben gehören eben auch Wasserspiele. Muss einem ja vom Steuerzahler gegönnt sein. Überhaupt Nichts ist unmöööglich war damals schon in bestimmten Kreisen ein geflügeltes Wort und so baute man eben einen Kanal um die Wasserkünste, ganz ohne Hilfe von Pumpen, zu speisen. Geld spielte bestimmt keine Rolle, denn gleichzeitig warb man damit ja auch für die Leistungen der Architekten, Ingenieure und Handwerker. Also so ähnlich wie in BER.. Damit förderungswürdig!

Um Schloss und Kanal legte man dann, im Stil der englischen Landschaftsparks, ein wenig Grün an (ist ja auch heute noch Bestandteil bei Baugenehmigungen) und so hat man beim Lustwandeln herrliche Blicke auf Kaskade, eigens gebaute Hofkirche und das kleine Städtchen.

Nur so nebenbei, man will ja nicht angeben hier in MeckPomm: Bereits 2016 wurde der Schlosspark zu einem der schönsten historischen Parkanlagen Europas gekürt.

Weil der Zahn der Zeit etwas an dem ganzen Gemäuer genagt hatte, wurde in fünf Jahren mithilfe der EU Fördergelder (also Steuergeldern um es genau zu sagen) die ehemals Herzogliche Pracht renoviert. Es sind 18 Zimmerchen, die von der nicht ganz so bescheidenen Lebensart des 18. Jhd. erzählen. Monumentale Säulen, reich verzierte Spiegel, Kronleuchter und edles Parkett sind da genauso anzutreffen, wie eine beeindruckende Gemäldegalerie, eine Uhrensammlung und, mittlerweile verpönte, Elfenbeinarbeiten. Damast bespannte Wände und Holzverkleidungen gehören, wie ein paar Kilo Blattgold, einfach dazu.

Ganz geflasht von all den Eindrücken, kann man sich dann (hoffentlich bald wieder), bei leckeren hausgemachten Torten und Kuchen im historischen Jagdsaal des Hauses erholen. In der herzoglichen Orangerie hat sich eine Braumanufaktur eingerichtet – also für Jeden Etwas und ein Besuch (vielleicht zum Schnuppern auch erst einmal im Netz) lohnt.

nachdenklich..

Zwischen sehenswerter Stadtkirche und Schloss liegt die Gedenkstätte Am Bassin.

Am 07. Mai 1945 befahl die amerikanische Militärregierung eine ehrenvolle Bestattung von 200 Toten aus dem nahegelegenen KZ Aussenlager Wöbbelin auf diesem Platz. Da findet man nun 149 Sandsteinplatten mit einem Kreuz und 51 mit einem Davidstern.

Die gesamte Bevölkerung von Ludwigslust und Umgebung hatte an der Bestattung teilzunehmen. Aber auch gefangene Soldaten und Offiziere der deutschen Wehrmacht. Richtig!

3 Kommentare zu „LULU

  1. Dieses Ludwigslust kenne ich noch nicht. Danke für die Anregung, falls es mich mal auf einer Reise in den Norden Ostdeutschlands verschlägt … LULU ist definitiv einen Abstecher wert!

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: