Märchenstrasse B 106

Nur ein Märchenerzähler würde die B 106 mit der Route 66 vergleichen. Obwohl auch diese von „sea to shining sea“ führt, von der Ostsee bis zum Schweriner See. Und vor der richtig freundlichen Vereinigung mit den Alten Bundesländer ging diese Straße sogar bis Ludwigslust. Ob aus Großmannssucht der „Eroberer“ oder Gewinnstreben, wurde umgehend eine Autobahn parallel gebaut, aber zweifache Kosten, der nun vom Bund zu pflegenden Straßen, wollte man nicht übernehmen. Eines der ersten Märchen war wohl die Notwendigkeit der stets fast leeren (und dennoch mit Geschwindigkeits Limit versehenen) BAB. Hauptsache die Beteiligten haben gut verdient (vor allen Dingen die aus dem Westen..).

Die B 106 ist mit 40,7 km eine der kürzesten Bundesstraßen in Deutschland, dicht gefolgt von der im Landkreis Bremen befindlichen B 212 (55 km) und dennoch weit vor der absolut kürzesten Bundesstraßen, der B 468 in Bayern mit nur 1 km Länge.

Auf dem mir vorliegenden Kartenmaterial finde ich (auf verschiedenen Karten) gleich drei unterschiedliche Bezeichnungen für die B 106:

Straße der Freundschaft – über diese Namensgebung hatte ich bereits berichtet

Märchenstrasse – die hat aber nichts mit der Deutschen Märchenstraße von Hanau nach Bremen, die Lebensstationen der Brüder Grimm berührt, gemein. Woher dann diese, nicht gerade originelle, Bezeichnung kommt, war nicht herauszufinden.

Strasse der Einheit – oder auch die von Privatpersonen erschaffene Erlebnisstraße der Deutschen Einheit. Aus lobenswertem ehrenamtlichem Engagement und zur Vermarktung eigener Bücher, aber auch der Betreibung eigener Gedenkstätten. Nur böse Menschen erkennen hier ein weiteres Märchen.

Es gab ja sogar einmal eine Zeit, die GRÜNEN erinnern sich bestimmt gerne daran zurück, da spielten Straßen überhaupt eine untergeordnete Rolle im deutschen Verkehrswesen. Da wurde zum Beispiel das Lüneburger Salz bis nach Hohen Viecheln auf dem Schifffahrtsweg transportiert und dann via Wallensteingraben nach Wismar weitergeleitet. So waren damals (ab 1576) lange Zeit Stör, Elbe und Schweriner See die umweltfreundlichen Verkehrswege. Kommt bestimmt wieder, wenn das Auto endlich abgeschafft ist..

Erst der Bau einer Chaussee zwischen Berlin und Hamburg (um 1830) brachte die Macher im Großherzogtum Mecklenburg auf die Idee, sich mit dem preußischen Straßennetz zu verbinden. Und da musste aus guten Gründen auch die Strecke Schwerin – Ludwigslust bevorzugt werden. Der Herzog wollte ja schließlich kommod mit seiner Kutsche (die hatte eben noch keine Luftfederung) zwischen seinen Schlössern hin und her pendeln.

In Dorf Mecklenburg, bekanntlich Namensgeber für das ganze Land, gibt es heute noch Erinnerungen an vergangene Zeiten. Ob die jedoch alle märchenhaft waren ist zu bezweifeln. Über das hervorragend geführte Kreisagrarmuseum habe ich früher schon berichtet und werde bestimmt noch einiges mehr beitragen.

Über das Wunder von Bad Kleinen berichtete ich erst kürzlich. In meinen Ohren klingt es immer noch wie ein Märchen: Selbstmord mit aufgesetztem Schuss, mitten im Kugelhagel der GSG 9.. Hat aber seine Richtigkeit, amtlich festgestellt. Tragisch auch die letzten Schritte
(1922) der Mutter des weltbekannten Bildhauers Ernst Barlach, durch den Eiertunnel zum Schweriner See. Eigentlich war sie zur medizinischer Behandlung in Bad Kleinen.

Zickhusen mit seinen rund 600 Einwohnern ist eigentlich nicht gerade der Nabel der Welt und außer der Kirche mit einem 21 m hohen, etwas an einen Campanile erinnernden, Turm, gäbe es da auch nicht viel zu bewundern. Hätte es da nicht den Friedrich Ludwig von Mecklenburg gegeben. Der war 1821 zwar „nur“ als Sohn eines Forstmeisters geboren, wurde jedoch in seiner Militärkarriere, nicht zuletzt als Major im Deutsch-Französischen Krieg (vor 155 Jahren) aufgrund seiner „vor dem Feinde bewiesenen Tapferkeit“ in den Adelsstand erhoben, von Seiner Majestät Wilhelm I höchstpersönlich. Märchenhaft!

Kein Sommermärchen war den Verschwörern im Teehaus zu Klein Trebbow vergönnt. Hier plante man das, leider misslungene, Attentat auf Hitler. Etwas zu märchenhaft erzählt, erscheint mir persönlich, die Vita des an der Verschwörung beteiligten Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Da wird nämlich großzügig über seinen vorhandenen (nachzulesenden) Judenhass geschwiegen..

Über Kirch Stück hatte ich bereits einen Beitrag eingestellt. Dort steht die Kirche, in der man dem Gottesdienst auf platt folgen kann. Wenn man es kann..

Das Märchenschloss von Schwerin hat seine eigene Geschichte. Es lohnt, diese in Wikipedia oder anderen Quellen, nachzulesen. Aber alle (die von den derzeitigen Schlossherren verbreiteten) Schweriner Märchen, lasse ich um des Lieben Friedens Willen unkommentiert.

LULU, so nennt man liebevoll Ludwigslust, war wie bereits erwähnt, bis zur Wende der Endpunkt der B 106. LULU hat einen eigenen Beitrag verdient, ich werde diesen (aus meinem früheren Blog) überarbeiten und gelegentlich einstellen.

Auch wenn (gedanklich) hier die B 106 endet, Märchen gibt es immer wieder – nicht nur in MeckPomm, man muss nur fest daran glauben!

12 Kommentare zu „Märchenstrasse B 106

  1. Eigentlich schon, aber man kennt halt die Geschichte.. Es ist ein, momentan noch, ruhiger Platz. Gelegentlich schaue ich wieweit die Bauarbeiten am Herrenhaus fortgeschritten sind. Hast mich da auf eine Idee gebracht, Danke! 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Da gibt es keine „Bitterkeit“. Ich war 89 noch im Automobilgeschäft tätig.. Verwunderung kommt eher hin. Da schaute man nicht nur diversen Treuhand Leuten, sondern auch offensichtlichen Bereicherungen von höchster Stelle aus zu. Da wurden zweifelhafte West-Existenzen in Branchen, von denen die gar keine Ahnung hatten „erfolgreich“ . Ein paar Monate später war das Objekt „abgewickelt“. Im Klartext Pleite gemacht. Die Leute im Osten verloren ihren Job und die im Westen füllten ihre Konten.. Lange vorbei, die Gegend ist wirklich schön und die Leute – eigentlich so wie wir. Warum auch nicht. Beim Besuch des Teehauses läuft’s einem jedoch immer etwas kalt den Rücken herunter..

    Gefällt 2 Personen

  3. Hussa! Da schwingt ja ein gerüttetes Maß an gut konservierter Bitterkeit mit. Nicht, dass ich das nicht verstehen würde. Auch ich als Wessi war mir schon ’89 darüber klar, dass soeben das Kind mit dem Bad ausgeschüttet und der Osten komplett über den Tisch gezogen wurde. Aber was hätten wir Nachdenklichen ausrichten können gegen ein Volk, das „Helmut, Helmut!“ skandierte und die ALDI-Filialen stürmte? Ich habe diesen Eintrag jedoch gerne gelesen. Besonders das Teehaus finde ich bezaubernd. Und wegen all des Schönen und nicht zuletzt wegen der großartigen Menschen, die ich seither kennengelernt habe, bedaure ich die Vereinigung nicht. – Übrigens glaube ich, dass den meisten Märchen ursprünglich sehr reale Untaten zugrunde lagen.

    Gefällt 1 Person

  4. Es gibt eben zuviel „Wahrheiten“. Landschaften und Bauwerke haben schon so einiges erlebt, sind aber leider sehr verschwiegen.. LULU gefällt dir bestimmt, hat ‚was ganz Besonderes.

    Gefällt 2 Personen

  5. Eine märchenhafte Gegend, in der du wohnst! Das Schöne an Märchen ist ja, dass man das Gute eindeutig vom Bösen unterscheiden kann. Die Realität und wahre Geschichte sind leider (oder zum Glück?) viel komplexer. Auf Ludwigslust bin ich gespannt. Das sagt mir was … aber, vielleicht verwechsele ich es mit einem anderen Ort, der auch so heißt. Ich werde es anhand deines Artikels herausfinden.

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: