abgeschminkt

„Hände küssen, Hüte rücken, Kniee beugen, Häupter bücken, Worte schrauben, Rede schmücken, Wer, dass diese Gaukelei, Meinet, rechte Freundschaft sei, kennet nicht Betrügerei“ – diese Zeilen sind nicht von mir, sondern Friedrich von Logau hat dafür die Feder geführt. Er lebte von 1605 bis 1655 und gab diesem zeitlosen Gedicht die Überschrift Geschminkte Freundchaft.

DSF steht auf dem Straßenschild nicht für Deutsches Sport Fernsehen, sondern für Deutsch Sowjetische Freundschaft. Vor der Wende hätte es fast in jedem Ort eine Straße mit diesem Namen gegeben, so meine Informationen. Die Abkürzung DSF machte die Aussprache geläufiger und das Straßenschild kürzer.

Freundschaft lautet, meines Wissens, der Gruß der Jungen Pioniere und diese „liebten ihre Eltern und hielten Freundschaft zu den Kindern der Sowjetunion.“ Zumindest fand ich das in einem Artikel der Jungen Welt. Ich bekam vor -zig Jahren diese Jugendzeitschrift, unaufgefordert oder gar abonniert, ein Zeitlang regelmäßig in unseren westdeutschen Briefkasten. Auch wenn ich damals überhaupt nicht an Politik interessiert war, ein Start bei dem Rennen „Rund um die Wartburg“ brachte mir diesen „Trostpreis“ ein..

Als der Russe dann abzog, war´s aber auch ganz schnell mit der Freundschaft vorbei. Bis auf nur noch rd. 50, sind in den neuen Bundesländern die DSF Straßen umbenannt. Aus Altem Brauch, das Umbenennen als Solches, ist schließlich so alt, wie die Geschichte der Barbaren. Aber auch unserer neuen Gutmenschen. Die wollten doch tatsächlich in Offenbach die altehrwürdige Bismarckstrasse gegen den Namen eines kurz darauf festgenommenen zweifelhaften „Künstlers“ austauschen.

Aus ehemals verordneter Freundschaft wurde Misstrauen. Warum eigentlich? Da kann es also nicht ganz so weit gewesen sein mit der Freundschaft. Nur gut, dass sie nicht echt war – denn „Diejenigen, die die Freundschaft aus ihrem Leben entfernen, scheinen nämlich die Sonne aus der Welt zu entfernen“ . Und das meinte, schon 100 Jahre vor Christus, einer der klügsten Köpfe der römischen Antike, Marcus Tullius Cicero .

10 Kommentare zu „abgeschminkt

  1. In MeckPomm ist auf manchen Karten sogar die B 106 als „Strasse der Freundschaft“ bezeichnet (welcher steht aber nicht dabei😊). Wie Strausberg sich aus der Beschilderung heraushielt ist schon ein Ding..

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  2. Komisch, ich erinnere keine Straße mit diesem Namen, dabei war bei uns in Strausberg, der Hauptstadt der NVA, die Freundschaft mit der UdSSR mehr als anderswo Programm.
    Ein zweischneidiges Thema. Vorgeschriebene Freundschaft gibt es nicht und schafft eher Ablehnung. Andererseits, da gebe ich Bettina Recht, führten bestimmte organisierte Treffen und Brieffreundschaften zu interessantem, echtem Austausch. In meinem Roman „Mensch, Manu!“ verarbeite ich gewisse Aspekte davon, so den Besuch bei der GSSD, Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland, in Wünsdorf bei Berlin. Tatsächlich war ich dort mit dem Tanzensemble, wir sind bei einem Kulturfest aufgetreten. Im Roman besucht die Protagonistin mit der Klasse die Garnison, was zwar fiktiv ist, aber möglich gewesen wäre.

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  3. Die meisten hatten ein gemeinsames „Feindbild“, die Oberen, die immer dafür gesorgt haben, dass sie mit 98% der Stimmen wiedergewählt wurden. Das schweißt zusammen. Außerdem waren Beziehungen lebensnotwendig.

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  4. Auch wenn bei uns nicht alles Gold war, so war, das Aufwachsen im Westen einfach frei. Wenn ich mich mit meinen neuen Nachbarn unterhalte vermissen die aber ein verloren gegangenes Zsammengehörigkeitsgefühl . Es wäre anders gewesen, aber auch nicht soo schlecht. Ich kann es nicht beurteilen, höre aber interessiert zu. Ist ja nun mein (selbstgewählter) Altersruhesitz..

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  5. Danke für die Korrektur. Da habe ich bestimmt die beiden Organisationen als eine Einzige betrachtet (ist auch schon ein paar Tage her🙂). Wenn man als Sportler in die DDR kam, hat man vom Alltag der Bürger überhaupt nichts mitbekommen Ob „Ami“ oder Russe: Letztendlich zählt der Mensch. Und manchmal ist es auch gut so, dass die Zeiten sich geändert haben.😊😊

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  6. Der Gruß der jungen Pioniere war auf die Aufforderung „Seid bereit“: – „Immer bereit“.
    Freundschaft war der Gruß der FDJ 😉
    Die Freundschaft zu den Kindern der SU war ebenfalls verordnete Brieffreundschaft mit dem hilfreichen Nebeneffekt – Sprachtraining.
    Übrigens, die Patentante meines jüngsten Sohnes, er ist 21, ist waschechte Russin, obwohl mir, in der DDR geboren und aufgewachsen, die DSF mächtig auf den Keks ging 😏

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