Javanischer Weihrauch

so lautete die arabische Bedeutung luban gawi (korrekte arabische Buchstaben gibt meine Tastatur nicht her), auf die in latinisierter Form über spanisch-katalanisch benjui, der Ausdruck Benzoe entstand.

Der deutsche Chemiker Mitscherlich nannte den Kohlenwasserstoff Benzol und Justus von Liebig taufte ihn auf den Namen Benzin um. Herr Benz, der bekanntlich das Automobil erfand, hat mit der Namensgebung des von seinen Otto -Motoren benötigten Treibstoffs nichts zu tun.

Wenn ich in den übriggebliebenen Militär-Papieren meines anderen (leider ebenfalls niemals kennengelernten) Großvaters stöbere, so drängt sich bei mir der Verdacht auf, dass dieser schon als junger Schlingel, vielleicht in Ermangelung sonstiger Rauschmittel, eine Prise zuviel von dem javanischen Kraut zu sich nahm. Nur so erklärt sich nämlich seine, schon recht frühe, Berechtigung zum Führen eines Kraftfahrzeuges.

Bei dieser Gelegenheit: Keine Sorge, ich treibe auf meinem Blog keine weitere „Ahnenforschung“ mehr. Dazu fehlt mir erstens die Geduld zur Recherche und zweitens wäre es müßig. Ich habe keine eigenen Kinder und daher auch nichts weiterzugeben.

In den wenigen Friedensjahren erkannte unser Großvater rechtzeitig die Zeichen der Zeit und ersetzte die familieneigene Pferdedroschke durch einen Kraftwagen. Damit war er in meiner Heimatstadt der 125ste Kraftdroschkenbesitzer (inzwischen gibt es in Frankfurt am Main rund 2.000 Taxis).

Es handelte sich bei den Fahrzeugen um die in Frankfurt gebauten ADLER Automobile vom Typ Standard und Favorit. Eines davon war ein sogenanntes Landaulet (eine Art Halb-Cabriolet).

Mein Vater übernahm nach dem Tod meines Großvaters diesen Droschkenbetrieb. Kurze Zeit später wurden die Fahrzeuge konfisziert und tauchten nie mehr auf. Ob man die evtl. als Schützenpanzer umbaute ist mit nicht bekannt. Vielleicht erinnerte man sich im Deutschen Reich auch an die Marne Taxis des 1. Weltkriegs..

Nach einer Zeit, in der mein Vater angewiesen war, ein Auto mit dem Roten Kreuz auf Dach und Türen zu fahren (immer noch besser, als einen Dienstwagen mit Hakenkreuz), über die ich an dieser Stelle nichts berichten möchte und es auch gar nicht so gut könnte wie unsere Historiker (oder vielleicht doch und noch viel besser, weil ohne Auftrag und daher vielleicht etwas ehrlicher, weil im Gegensatz zu den Meisten: aus erster Hand), nach diesen schlimmen Jahren also, fand mein Vater den Mut zu einem Neustart.

Über einen FIAT 1100 „Tassi“ gelang der Aufstieg zu „den Sternen“ und sicherte der Familie eine bürgerliche Existenz.

In dritter Generation, in recht jugendlichem Alter, zunächst einen Mietwagen und ein eigenes Taxi besitzend, später den Betrieb etwas erweitert und schlußendlich ebenfalls die Zeichen der Zeit erkennend, beendete ich diese Familientradition.

Von da an nahm mein Leben ganz andere Formen an und ich hatte das Glück, Hobby und Beruf verbinden zu können.

Auch wenn der javanische Weihrauch nun schon lange nicht mehr qualmt – den Duft habe ich noch in der Nase..

2 Kommentare zu „Javanischer Weihrauch

  1. Danke, Danke – es ist nicht nur die Tastatur, die mir da zu schaffen macht. Ich kann gerade noch rechts und links unterscheiden wegen der Vorfahrt. (Bei anderem gibt´s ja kaum noch Unterschiede..)😀 Aber irre, wo Du das so schnell her hast. Kompliment!

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