Kirch up Platt

Es wäre unvorstellbar, stünde in einem Ort mit diesem Namen keine Kirche. Es ist davon auszugehen, dass sich hier eine Ansiedlung mit dem Namensteil „Stück“ befand. „Stück“ kommt nach Auffassung von Historikern aus dem slawischen Stuke (erinnert an Stukenbrok), Bezeichnung einer alten Feldmarke oder Stock für die Bedeutung „Zusammenfluss“. Möglicherweise ist das aber auch ganz einfach der Name einer im 15. Jhd. ausgestorbenen Adelsfamilie.

Wie die zwei letzten, bereits vorgestellten Dörfer, liegt auch dieses unweit der Landeshauptstadt Schwerin. Inzwischen gehören auch die Dorfkirchen der drei Gemeinden zu einem Verbund (die passende Bezeichnung in der EKD ist mir nicht geläufig). Erwähnt wurde dieses Dorf erstmals 1217 und zwar als sich der Dom von Schwerin einer jährlichen Kornerhebung aus Stück bediente. Das bedeutet, dass auch diese Kirche zu den ältesten im Schweriner Umland gehört. Was wiederum eine andere Überlieferung bestätigen würde: Bereits 1173 (als am Dom in Schwerin der Bischof Berno im Amt und Würden war) hätte es in Kerkstruke einen Pfarrer mit dem Namen Bernadus de Struke gegeben, Wem soll man da glauben? Eigentlich nur dem da Oben, wenn´s ihn denn gibt..

Es ist eine kleine Ortsgemeinde und so prägt die, dem Hl. Georg geweihte, Kirche auch dessen Bild.

Diese gotische Backsteinkirche ist üblicherweise eine offene Kirche, ein Besuch lohnt sich bestimmt. Zu meinem eigenen Verdruss habe ich es in der ganzen Zeit, in der wir nun schon in der Nähe wohnen, nicht geschafft dort an einem Gottesdienst teilzunehmen (ist auch erlaubt für Andersgläubige oder Leute, wie mich, die keiner Konfession angehören).

Es ist bestimmt ein Erlebnis, in dieser Kirche solch einen Gottesdienst zu besuchen, denn 1982 konstituierte sich in diesem keinen mecklenburgischen Dorf eine Arbeitsgruppe mecklenburgischer Pastoren, die eine verloren gegangene Tradition wieder erweckt hat; Das Gotteswort in plattdeutscher Sprache zu erhalten und zu pflegen. Für mich persönlich ansprechender. als das Aufhängen der gerade in Mode gekommenen, Regenbogenwimpel. Aber da muss ich mich genau so zurückhalten, wie alle Kritiker der EKD oder röm-kath. Kirche, die selbst gar keinen Bezug zur Kirche haben.

„In Affstimmung twischen denn Meckelborger Arbeitskrink Plattdüütsch in de Kirch un denn Plattdeutschen kirchlichen Zentrum Kirch Stück in ein online Service för dat Plattdütsche in de Kirch in richt worden“ – was gerade in der Corona Zeit auch Sinn macht. (Wen´s interessiert, lässt sich googeln)

Schon zwei Theateraufführungen in Platt habe ich bereits hinter mir und mittels „eingeborenem“ Dolmetscher das Geschehen auch so einigermaßen verstanden. Eigentlich ist das mit dem verstehen nichts anderes, als wenn ich früher in Köln oder irgendwo in Bayern zu tun hatte ..

Wegen der optischen Ähnlichkeit als Taubenschlag bezeichnet, wurde schon im Alten Rom so ein Kolumbarium. Diese Grabkapelle wurde bereits 1890 errichtet aber 1945 ohne Nutzung aufgegeben. Jetzt, mit viel Förder- und Stiftungsmitteln frisch renoviert, wartet sie auf seine Bewohner. Und da ist dann auch Platz genug für ein paar hundert Urnen. Weil das für mich vielleicht doch noch ein bisschen Zeit hat, habe ich mich auch noch nicht über die Pensionspreise informiert. Wird mich bestimmt mehr kosten, als mein Bootsschuppen. Dann also doch lieber verstreut..

Von solch trüben Gedanken lenkt wie immer ein Spaziergang in der herrlichen Umgebung ab. Und sofort fällt mir, der an jeder Landesgrenze plakatierte Spruch ein, dass Mecklenburg Vorpommern ein Land zum Leben ist.

8 Kommentare zu „Kirch up Platt

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