deo volente

Einen traumhaften Blick auf See oder Schloss (je nach Büro Lage) haben sie, unsere Volksvertreter. Da kann man bestimmt (im wahrsten Sinne des Wortes) herrlich (!) seiner Pension entgegenträumen.

Auf einer in den Schweriner See hineinragenden kleinen Landzunge (ganz früher war das sogar einmal eine Insel), befindet sich ein 170 m langer, im klassizistischen Stil errichteter Gebäudekomplex mit vier Flügeln, die damit einen geschlossenen Innenhof beherbergen.

Erbaut 1838 -1842 von dem Star (und Stadt) Architekten Demmler, der ja halb Schwerin verschönerte. Dieses Mal hatte er eine besondere Nuss zu knacken: Um in dem sumpfigen Gelände überhaupt etwas bauen zu können, mussten erst einmal Tausende Eichenpfähle eingerammt werden. Aber das war bei dem viel, viel älteren Schloss ja auch notwendig.

Das Ganze hatte der Großherzog Paul Friedrich so gewollt. Er war ein großer Pferdeliebhaber und braucht für sein Hobby eine Garage (?) – nein, nein das Auto wurde ja erst 1886 erfunden und da brauchten dann viel mehr Pferde deutlich weniger Platz. Einen MARSTALL ließ sich der Herzog bauen, mit Ställen und Räumen für die Bediensteten und in unmittelbarer Nähe seiner Residenz.

Es war die Zeit der Künstler Lortzing, Hebbel, Pacinini und Verdi. Letzterer erlebte ausgerechnet in der Mailänder Scala einen totalen Verriss und beschloss daraufhin nie mehr eine Oper zu schreiben.. Von wegen Oper, die Semperoper wurde 1839 nach dreijähriger Bauzeit fertig (brannte aber schon 1869 wieder ab). Und, für einige ja ganz wichtig, auf Helgoland schrieb von Fallersleben: Das Lied der Deutschen.

Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, sowie Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales, liest man heute an der Haustür.

Was die darin jetzt bloß alle machen? Theater und Museum haben bekanntlich geschlossen und die Schulen nur begrenzt geöffnet. Die Arbeit ist auch für viele verboten. Manche waren, sind und werden immer etwas gleicher sein (trotz, oder auch wegen Ministerium) und „übersozial“ sind sie ja schon immer gewesen, die roten Damen und Herren, die schwarzen nicken eh ´ bloß ab, dank der abgepressten Gelder (verniedlicht auch Steuern genannt), ihrer wenigen noch arbeitenden Untertanen. Und auch dem, eigentlich schon einmal versteuerten, der Rentner.

Was die bloß machen, deren Lebensinhalt und natürlich auch Lebensunterhalt von der Kunst abhängig ist? Von Almosen wollten die bestimmt nicht leben und der nicht monetäre Lohn eines jeden Künstlers, der Applaus, der fehlt doch total.

An Sylvester 2019 (!) waren wir (in alter Tradition, egal an welchem Wohnort) das letzte Mal in den Räumlichkeiten des Staatstheaters zu Gast. Die letzte Aufführung der Sommer Festspiele war Anatevka. Lang ist´s her..

Es wird schon weitergehen, deo volente

3 Kommentare zu „deo volente

  1. Vermutlich werden sie alle im Homeoffice sitzen und ihre Diäten zählen, sich bedauern, dass sie nicht mehr von 8:00-11:30 zum Frühstück in der Kantine, von 11:31- 14:59 zum Mittagessen sitzen können. Naürlich als Arbeitsgruppe organisiert.. 😉
    Dann noch eben von 15:00 -16:00 Uhr die Sachen zusammenpacken und dem ereignisreichen Tag ausglingen lassen.
    Aber wie geschrieben: Natürlich nur vermutlich.

    Gefällt 1 Person

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